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„Alt trifft Jung“ – Frau Ochs (91) aus Leimsfeld zu Gast in der Nachmittagsbetreuung

Da Ostern bald vor der Tür steht, stand in der Nachmittagsbetreuung am vergangenen Donnerstag „Ostereier bemalen“ auf dem Plan. Um den Kindern aber mal eine andere, sehr alte und traditionsreiche Art des Eierbemalens zu zeigen, hatte der Förderverein Frau Ochs aus Leimsfeld eingeladen. Frau Ochs, die bereits 91 Jahre alt ist, verziert die rohen Ostereier mit der Bienenwachsmalweise. Diese aus dem 18. Jahrhundert stammende Tradition, hat sie 1984 von den Marburger Landfrauen erlernt und hat seitdem wohl tausende Eier in dieser Art bemalt.

Mit erstaunlich ruhiger Hand zeigte sie den gespannten Kindern, wie man mit einer Stahlfeder - die übrigens noch aus ihrer Schulzeit stammt - und heißem, flüssigen Bienenwachs, filigrane Muster und Schriftzüge auf das rohe Ei malt. Als Muster werden häufig Weidenkätzchenzweige gewählt, die das Frühlingserwachen darstellen sollen, Ähren für die Ernte, Wellenlinien für das Auf und Ab im Leben oder aber auch biblische Sprüche. Das bemalte Ei, so Frau Ochs, wird anschließend in eine Natur- oder Batikfarbe getaucht, bis das Wachs weich geworden ist. Danach wird das Wachs abgewischt - dabei kommt an den freien Stellen die natürliche Farbe des Eies zum Vorschein, die Muster und aufgeschriebenen Sprüche erscheinen im Negativ. Laut Frau Ochs zerbricht beim Abreiben der Eier auch ab und zu mal ein Ei und die Arbeit von mehr als zwei Stunden war umsonst.

Wenn Ostern nicht mehr weit ist, beginnt für Frau Ochs eine stressige Zeit, denn trotz Ihres hohen Alters verziert sie jedes Jahr mehr als 200 Eier. Viele dieser Eier verkauft sie auch heute noch auf einem Ostermarkt in der Nähe von Bad Hersfeld, denn nur noch wenige Frauen beherrschen heute die Techniken dieser althergebrachten Tradition des Verzierens und daher sind diese Eier als österliche Dekoration nach wie vor sehr beliebt.

Die Kinder der Nachmittagsbetreuung hat vor allem beeindruckt, dass Frau Ochs es schafft, „so schöne gerade Linien auf ein rundes Ei zu malen“ und dass sie selbst „…für so etwas gar keine Geduld und Zeit hätten“. So entschieden sie sich dann im Anschluss doch lieber dafür, die Eier in einem mit Marmorierfarbe gefärbtes Wasser einzutauchen und so etwas schneller zu einer schönen Osterdeko zu kommen.

Frau Ochs aber hat es sichtlich Spaß gemacht, den Kindern ihre filigrane Arbeit, die sie auch mit ihren stolzen 91 Jahren noch jung hält, zu zeigen.